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Depressionen beim Hund

Als sensible und feinfühlige Wesen, die aufmerksam an ihrer Umwelt teilnehmen, engen Anschluss an ihr Rudel suchen und empathisch die Stimmung ihres Besitzers mitempfinden, verwundert es nicht, dass auch Hunde an einer Depression leiden können. Ähnlich wie bei uns Menschen kann dies die Lebensqualität erheblich einschränken und erfordert daher oftmals fachmännische Hilfe. Im Folgenden haben wir für Dich zusammengefasst, welche Symptome auf eine Depression beim Hund hindeuten können, welche Ursachen dafür in Frage kommen und welche Lösungsansätze es gibt.

Depression beim Hund erkennen

Die Anzeichen bzw. Symptome einer Depression bei Hunden können unterschiedlich sein. Wenn der sonst verspielte Jack-Russel-Terrier sein Kuscheltier achtlos liegen lässt, der gutmütige Golden Retriever urplötzlich Fremde anknurrt oder der sonst schlingende Labrador sein Futter stehen lässt, ist klar: Irgendetwas stimmt nicht!
Ganz allgemeine Anzeichen einer Depression bei Hunden sind Lustlosigkeit, Teilnahmslosigkeit, Rückzug, verändertes Fressverhalten, leerer Blick, hängender Kopf und Schwanz, verzögerte Reaktion auf Ansprache, erhöhte Krankheitsanfälligkeit (insb. Magen-Darm-Beschwerden), aber auch Aggressionen oder Unsauberkeit. So unterschiedlich unsere Hunde jedoch sind, so verschieden können auch die Symptome sein. Grundsätzlich gilt: Ändert Dein Hund plötzlich sein Verhalten oder zeigt ungewohnte Verhaltensweisen, solltest Du aufmerksam werden.

Diagnose und Ausschluss von organischen Ursachen

Eine Depression beim Hund zu diagnostizieren, ist gar nicht so einfach. Schließlich kann er sich nicht verbal dazu äußern. Zunächst einmal ist es wichtig, körperliche Ursachen für das veränderte Verhalten auszuschließen, denn insbesondere Schmerzen können dazu führen, dass Hunde sich anders verhalten als früher, dass sie sich zurückziehen, lustlos wirken, nicht mehr fressen oder unsauber werden. Hier gilt es dann natürlich, zunächst die vorliegende Krankheit zu behandeln. Eine körperliche Ursache für Depressionen ist z. B. eine Schilddrüsenunterfunktion.

Ist der Hund körperlich gesund, ist es sinnvoll, einen Tierarzt zu konsultieren, der auf das Verhalten von Hunden spezialisiert ist. Auch ein Hundetrainer oder Hundepsychologe kann mit Rat und Tat zur Seite stehen. Hier kann man dann gemeinsam auf Ursachenforschung gehen. Hat sich etwas im Lebensumfeld des Hundes verändert? Ist er unterfordert und daher in einem Stimmungstief oder umgekehrt sogar überfordert, wodurch er nicht zur Ruhe kommt? Hat er Angst oder Stress? Zusammen mit einem Trainer kann man schließlich an den Auslösern arbeiten und eine Veränderung herbeiführen. Im Folgenden haben wir häufige Ursachen für Depressionen beim Hund und Lösungsansätze für Dich zusammengefasst:

Ursachen für Depressionen und Lösungsansätze

Alleinbleiben/Einsamkeit

Zu häufiges und/oder zu langes Alleinbleiben ist eine der häufigsten Ursachen für Stress und Depressionen bei unseren Vierbeinern. Hunde sind vor allem eines: Rudeltiere. Sie lieben und brauchen Gesellschaft und den engen Anschluss an ihre Familie, ihr „Ersatzrudel“. Wenn Hunde zu häufig und vor allem zu lange alleinbleiben müssen, kann sich dies massiv auf ihr Wohlergehen, ihre Gesundheit und ihre Stimmung auswirken. Sie verstehen nicht, warum sie zurückgelassen werden, und reagieren mit Rückzug, Fressunlust, Unsauberkeit oder auch mit Aggression, ständigem Bellen etc.

Lösungsansätze

Vor der Anschaffung eines Hundes sollte genau überlegt werden, ob die aktuelle Arbeits- und allgemeine Lebenssituation mit der Haltung eines Hundes kompatibel ist. Ein Hund sollte auf keinen Fall längerfristig für viele Stunden alleinbleiben müssen. Ist dies nicht umsetzbar, sollte, auch wenn es schwerfällt, von der Anschaffung eines Hundes abgesehen werden. Doch was, wenn sich die Arbeitssituation ändert? Hier gibt es verschiedene Möglichkeiten: Kannst Du Deinen Hund vielleicht mit ins Büro bringen, zumindest an einigen Tagen? Gibt es Freunde oder Verwandte, die während Deiner Abwesenheit auf den Hund aufpassen können? Wäre ein Hundesitter oder eine Hundetagesstätte eine Option für euch? Mehr dazu findest Du hier.

Aber auch in unserer Anwesenheit können Hunde Einsamkeit verspüren, nämlich dann, wenn sie keine Ansprache bekommen. Hunde stehen eigentlich immer irgendwie in Kontakt mit uns. Sie beobachten unsere Körpersprache, unsere Mimik und suchen Augenkontakt. Wenn wir ihnen die Ansprache verweigern, sie ignorieren und links liegenlassen, kann sich dies erheblich auf ihr Wohlbefinden auswirken. Eine britische Studie hat kürzlich sogar herausgefunden, dass Hunde, deren Besitzer viel am Smartphone sind, eher zu Depressionen neigen.


Lösungsansätze

Beschäftige Dich mit Deinem Hund! Betrachte ihn als das, was er von Natur aus sein will: ein Teil Deines Rudels. Dazu gehört auch, dass der Hund nicht in anderen Räumen und/oder in einer Box eingesperrt wird, sondern aktiv am Familienleben teilhat.

Fortgeschrittenes Alter

Besonders Hunde, die in frühen Jahren sehr aktiv waren, beispielsweise ehemalige Gebrauchshunde wie Mantrailer oder Jagdhunde, können depressiv werden, wenn sie in „Rente“ gehen und keine Aufgaben mehr haben – schließlich haben sie ihre Arbeitsleistung ein Leben lang erbracht.

Lösungsansätze

Auch ältere Hunde brauchen Aufgaben! Mit Intelligenzspielzeug, Futtersuchspielen oder dem Einüben von kleinen Tricks kannst Du Deinen ehemals sehr aktiven (Arbeits-)Hund auch als Senior noch geistig auslasten und ihm das Gefühl geben, eine wichtige Aufgabe zu erfüllen. Hier gilt es natürlich, stets Rücksicht auf die Fitness zu nehmen und den Hund nicht zu überfordern.
Altersbedingte Gebrechen wie eine nachlassende Sehkraft oder schlechteres Gehör können Hunde, die naturgemäß stark auf ihre Sinne angewiesen sind, verunsichern. Als Folge kann es zu einer Depression kommen, insbesondere dann, wenn Halter auf diese Alterserscheinungen mit Ungeduld und Gereiztheit reagieren. Darüber hinaus können auch Hunde, wie wir Menschen, an einer Demenz erkranken. Durch die fehlende Orientierung entstehen starke Unsicherheit und Angst.

Wichtig: Habe Geduld mit Deinem Vierbeiner! Wenn er beim Spazierengehen nicht sofort reagiert, weil er Dich schlecht hört oder sieht, tut er das nicht mit Absicht. Wenn Du mit Ungeduld reagierst und ihn ausschimpfst, kann ihn das stark verunsichern und euer Vertrauensverhältnis beschädigen.

Dasselbe gilt für eine Demenz. Läuft der Hund mitten in der Nacht rastlos durch die Wohnung, so macht er das ebenfalls nicht, um Dich zu ärgern. Bei altersbedingten Gebrechen gilt noch mehr als sonst: Habe Geduld, schimpfe und bestrafe Deinen Hund nicht, sondern gebe ihm die Sicherheit, die er jetzt braucht!

Burn-out/Bore-out

Wie wir Menschen können auch unsere Hunde an einem Burn-out oder einem Bore-out leiden, also an Erschöpfung und Depression infolge von Überforderung oder Unterforderung. Wann diese Zustände auftreten, ist sehr unterschiedlich. Der eine Hund ist schnell gelangweilt und unterfordert, beim anderen ist genau das Gegenteil der Fall. Hundeplatz, Joggen, Mantrailing, Agility, Dog-Dancing, Physiotherapie und, und, und … Viele unserer Hunde haben einen straffen Zeitplan und nicht wenige sind damit überfordert und geraten in einen regelrechten Burn-out. Andere wiederum werden nur an der kurzen Leine um den Block geführt, um ihr Geschäft zu verrichten, haben keinen Kontakt mit anderen Hunden und kaum Ansprache und Beschäftigung. Die Folge: Bore-out. Dieser tritt vor allem auch dann auf, wenn spezialisierte Rassen, etwa Jagd- oder Hütehunde, ihren „Job“ nicht machen dürfen und keine Ersatzbeschäftigung angeboten wird, bei der sie ihre natürlichen Verhaltensweisen ausleben können.

Lösungsansätze

Zeigt Dein Hund Symptome einer Depression, schaue Dir genau sein Wochenpensum an: Wenn ihr sehr viel zusammen unternehmt und viele Termine habt, teste aus, ob sich sein Verhalten bessert, wenn ihr das Programm etwas kürzt: einmal weniger auf den Hundeplatz, zweimal pro Woche einen Ruhetag mit nichts als gemütlichen Spaziergängen einplanen etc. Bedenke auch, dass erwachsene Hunde ca. 18–20 Stunden pro Tag schlafen (sollten). Nur so können sie Erlebtes verarbeiten.

Es kann eine Weile dauern, bis Du das perfekte Pensum für Dich und Deinen Hund gefunden hast. Dann jedoch dürften sich seine Symptome und sein Verhalten schnell verbessern. Dasselbe gilt natürlich auch umgekehrt: Wenn Du bisher sehr wenig mit Deinem Hund unternommen hast, solltest Du versuchen, ihm mehr Anreize zu bieten: Gestalte die Spaziergänge etwas spannender, lasse ihn auch mal frei rennen (ggf. auf einer eingezäunten Hundewiese), arbeite mit einem Futter-Dummy oder lasse ihn in der Wohnung nach Leckerli suchen. Hier gibt es viele Möglichkeiten. Wenn Dein Hund geistig und körperlich ausgelastet ist, wird sich seine Stimmung bessern.

 Ein besonderer „Fall“ sind spezialisierte Hunderassen. Wenn diese ihrem eigentlichen Job nicht nachgehen dürfen, beispielsweise dem Jagen, muss dafür gesorgt werden, dass sie ihre Triebe anderweitig befriedigen können.

Traumatische Ereignisse

Auch Hunde haben mitunter traumatische Lebenssituationen erlebt, die sie nicht ohne Hilfe verarbeiten können. Dies kommt häufig bei Tierheim- und/oder Tierschutzhunden vor. Misshandlungen und Unfälle sind eine häufige Ursache für tiefsitzende Angst und Unsicherheit, fehlendes Vertrauen und eine damit verbundene Depression. Auch der Tod des Halters oder eines geliebten Artgenossen kann Hunde in tiefe Trauer und damit in Depressionen stürzen.

Lösungsansätze

In Fällen einer (vermuteten) Misshandlung oder eines schweren Unfalls solltest Du unbedingt den Rat eines erfahrenen Hundetrainers und/oder eines Hundepsychologen einholen. Eventuell ist es erforderlich, Deinen Vierbeiner zunächst mit beruhigenden Medikamenten zu unterstützen, sodass er überhaupt fähig ist, neue Verhaltensweisen zu erlernen und das Trauma zu überwinden. Hier ist viel Geduld und Einfühlungsvermögen gefragt, denn traumatische Ereignisse sitzen tief.
Stirbt ein geliebtes Familienmitglied, ob Mensch oder Hund, sollten Hunde die Möglichkeit haben, sich zu verabschieden – sonst beginnt mitunter ein langanhaltendes Suchen, weil sie nicht begreifen, wohin der geliebte Mensch oder Hund verschwunden ist.

Fazit

Auch unsere Vierbeiner können durch unterschiedliche Ursachen in eine Depression geraten. Nachdem organische Ursachen für das veränderte Verhalten ausgeschlossen wurden, sollte man sich auf Ursachenforschung begeben, um herauszufinden, welche Umstände oder welches Ereignis zu dem Stimmungstief oder der Traurigkeit führt. Hier ist fachmännischer Rat durch einen spezialisierten Tierarzt, einen Hundetrainer oder einen Hundepsychologen dringend zu empfehlen, der einen neutralen Blick auf das Leben Deines Hundes werfen kann. Sind die Ursachen gefunden, gilt es, diesen entgegenzuwirken. Dies kann mit einfachen Änderungen im Tagesablauf gelingen, aber auch eine langfristige und nervenaufreibende Angelegenheit sein. Wichtig ist vor allem eines: Habe Geduld mit Deinem Tier, sei empathisch und verständnisvoll!

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