Fachkompetenz Tier
Beratung online & vor Ort
kostenlose Lieferung ab 39€
schnelle Lieferung
kostenlose Retoure

Vestibularsyndrom beim Hund

Hund Fritzi hält plötzlich den Kopf seltsam schief und wirkt etwas unsicher auf den Beinen. Vielleicht hat er sich einen Nerv eingeklemmt? Als er sich etwas später erbricht, zu schielen beginnt und beim Laufen schwankt, fahren seine Besitzer mit ihm in die Tierklinik. Hier bekommt er die Diagnose: Er leidet am Vestibularsyndrom.

Was ist das Vestibularsyndrom?

Das Vestibularsyndrom ist eine meist plötzlich auftretende Störung des Gleichgewichtsorgans im Innenohr, genauer des Vestibularapparates. Dieser beeinflusst neben dem Gleichgewicht auch andere Körperfunktionen wie den Blutdruck. Eine Störung des Vestibularapparates führt zu einer eingeschränkten räumlichen Orientierung und Schwierigkeiten in der Koordination von Bewegungen.

Was sind die Ursachen?

Es gibt drei Formen dieses Syndroms:

Die periphere Form betrifft lediglich das Innenohr, während bei der zentralen Form der Hirnstamm bzw. das Kleinhirn geschädigt ist. Im Volksmund wird dies als Schlaganfall bezeichnet. In diesem Fall liegt immer eine Beteiligung des Gehirns vor. Die idiopathische Form, auch als geriatrisches Vestibularsyndrom bezeichnet, kommt bei älteren Hunden infolge degenerativer Prozesse wie Durchblutungsstörungen vor.

Primäre Ursache der peripheren Form ist eine bakterielle oder mykotische (durch Pilze hervorgerufene) Ohrinfektion. Darüber hinaus kann es sich um eine Begleiterscheinung bestimmter Infektionskrankheiten wie Staupe, Toxoplasmose oder Neosporose handeln. Ein weiterer Auslöser kann toxischer Natur sein, etwa bestimmte Antibiotika oder auch manche Inhaltsstoffe von Ohrreinigern. Sehr selten kommt eine Schilddrüsenunterfunktion als Grund in Betracht.

Die zentrale Form hat ihre Ursache in Schädigungen des Hirnstamms bzw. des Kleinhirns, was durch verschiedenste Gründe wie z. B. Frakturen, Flüssigkeiten oder Veränderungen in der Knochenstruktur erfolgen kann.

Symptome

Die Symptome sind vielfältig und reichen – in Abhängigkeit von der Ursache bzw. Lokalisation – von Erbrechen und Übelkeit bis zu ungewohntem Verhalten, permanentem Sich-im-Kreis-Drehen oder auch Kopfschiefhaltung. Ebenso können Gleichgewichtsstörungen, Nystagmus (Zittern der Augäpfel) oder Schielen (meist in Richtung der betroffenen Seite) auftreten. Aufgrund der Gleichgewichtsstörung kann es zu Schwächeanfällen, einem schwankenden Gang (Ataxie) oder zu Lähmungserscheinungen kommen. Außerdem ist es möglich, dass der Hund, da er sich durch die Gleichgewichtsstörungen nicht mehr gut orientieren kann, vorerst nicht zu seinem Futternapf findet und daher anfangs mit der Hand gefüttert werden muss.

Wichtig: Solltest Du bei Deinem Hund diese Symptome feststellen, ist ein schneller Tierarztbesuch erforderlich.

Beim Tierarzt

Der Tierarzt wird Deine Fellnase gründlich durchchecken, um festzustellen, um welche Form des Vestibularsyndroms es sich handelt. Zunächst wird er das Ohr eingehend untersuchen, um eine Ohrentzündung auszuschließen. Wenn es sich um eine Entzündung handelt, legt er unter Umständen Kulturen an, um die Ursache festzustellen, da hier sowohl Bakterien als auch Pilze im Spiel sein können.

Falls bei der Untersuchung mit dem Otoskop nichts zu sehen ist, wird der Tierarzt bei einer Blutuntersuchung die Entzündungs- und Schilddrüsenwerte prüfen.

Wenn auch hier keine Ursache zu finden ist, kann der Tierarzt ein CT (Computertomographie) oder eine MRT (Magnetresonanztomografie) anfertigen, um eventuelle Tumoren, Blutungen oder Infarkte im Gehirn zu erkennen.

Behandlungsmöglichkeiten

Wenn die Ursache der Erkrankung feststeht, ist es möglich, entsprechend zu behandeln. Bei einem entzündlichen Geschehen werden Entzündungshemmer bzw. Antibiotika, Antimykotika oder Kortikoide verabreicht.
Bei einer Hirnschädigung bekommen die Fellnasen in den ersten 24 Stunden ein Kortisonpräparat per Infusion als Erste-Hilfe-Maßnahme.

Wenn es sich um eine Schilddrüsenunterfunktion handeln sollte, wird hormonell unterstützt.
Viel Ruhe und Schonung sowie Vitamin-B-Präparate zur Unterstützung der Nervenfunktion können den Heilungsprozess positiv beeinflussen.

Prognose

Bei entzündlichen oder hormonellen Ursachen ist die Aussicht auf eine vollständige Heilung sehr gut.
Bei der zentralen Form hängt die Prognose stark davon ab, welche Ursache dahintersteckt. Oft erholen sich die Tiere innerhalb von 72 Stunden weitestgehend. In einigen Fällen bleiben bestimmte Einschränkungen, wie zum Beispiel die Kopfschiefhaltung oder der Nystagmus, bestehen. In der Regel können die Hunde jedoch gut mit diesen Beeinträchtigungen leben.

Fazit

Das Vestibularsyndrom ist eine plötzlich auftretende Erkrankung bei Hunden, die sich durch unterschiedliche Symptome wie Kopfschiefhaltung, Erbrechen, Zittern, Schielen oder Lähmungen bemerkbar macht. Je nach Ursache wird eine entsprechende Behandlung eingeleitet.
Fritzi zeigte nach und nach Verbesserungen. Nach etwa drei Wochen war nur noch eine geringe Schiefhaltung des Kopfes zurückgeblieben, die ihn jedoch nicht weiter einschränkt und seiner Lebensfreude keinerlei Abbruch tut.

Weitere Artikel
Exokrine Pankreasinsuffizienz beim Hund

Exokrine Pankreasinsuffizienz beim Hund

Die Bauchspeicheldrüse liegt in der Nähe der Leber im oberen Bauchraum des Hundes. Sie erfüllt zwei Hauptaufgaben: Einerseits steuert sie die wichtige Blutzuckerregulation (endokrine Funktion) durch die Produktion und Ausschüttung von Hormonen. Insulin senkt den Blutzuckerspiegel, der Gegenspieler Glukagon wird ausgeschüttet, wenn der Blutzuckerspiegel zu niedrig ist. Und andererseits bildet sie wichtige Enzyme für die Verdauung (exokrine Funktion). weiterlesen »
Was ist für den Hund giftig?

Was ist für den Hund giftig?

Hunde können auf verschiedene Substanzen sehr empfindlich reagieren und Vergiftungssymptome zeigen. Dunkle Schokolade enthält Theobromin und kann bei übermäßiger Aufnahme für Hunde bedenklich sein und zu Erregungszuständen oder lebensbedrohlichen Zuständen führen. weiterlesen »
Hund stubenrein bekommen - so funktioniert’s

Hund stubenrein bekommen - so funktioniert’s

Einen Welpen stubenrein zu bekommen, kann eine ganz schöne Geduldsprobe sein. Doch auch, wenn das einmal geschafft ist, ist es möglich, dass man sich irgendwann wieder damit auseinandersetzen muss, denn nicht wenige Hunde haben gerade im Alter wieder Probleme mit dem Einhalten. Tierheimhunde und besonders Tierschutzhunde aus dem Ausland können je nach Vorgeschichte auch bezüglich der Stubenreinheit eine Herausforderung für ihre neuen Herrchen oder Frauchen darstellen. Hier erfährst Du, wie Du einen Welpen stubenrein bekommst, und wie Du vorgehen solltest, wenn Dein erwachsener Hund (wieder) in die Wohnung macht. weiterlesen »
Dackellähme beim Hund - Was ist wichtig bei der Schmerzbehandlung?

Dackellähme beim Hund - Was ist wichtig bei der Schmerzbehandlung?

Von Erkrankungen der Wirbelsäule, die mit einem Vorfall der Bandscheiben einhergehen, sind meist kleine Hunderassen mit kurzen Beinen und einer langen Wirbelsäule, wie zum Beispiel Dackel, betroffen. Die sogenannte Dackellähme beginnt oft mit plötzlichen starken Schmerzen im Bereich der Hals- oder Lendenwirbelsäule und kann manchmal zu Lähmungserscheinungen der Hinterextremitäten führen. weiterlesen »
Unsere 5 Tipps für den Fellwechsel

Unsere 5 Tipps für den Fellwechsel

Mit dem Frühjahr beginnt der Fellwechsel bei Hund und Katze. Das wärmende Winterfell weicht dem leichten Sommerfell und zurück bleiben Fellflusen wohin man blickt. Was für Dich lästig ist, ist für den Organismus Deines Vierbeiners Höchstarbeit, welche auch Begleiterscheinungen wie Fellveränderungen, schuppende Haut oder Appetitlosigkeit mit sich bringen kann. weiterlesen »
Sicherheit im Dunkeln für Hund und Mensch

Sicherheit im Dunkeln für Hund und Mensch

Die Tage werden wieder kürzer und bald findet Gassi-Gehen wieder vermehrt in der Dämmerung, bei Dunkelheit oder Nebel statt. Bei schlechten Lichtverhältnissen lauern unterwegs zahlreiche Gefahren. Egal ob Autos, Fahrradfahrer, Jogger oder Tiere – sehen und gesehen werden ist jetzt das A und O. weiterlesen »
Giftige Pflanzen für Hunde

Giftige Pflanzen für Hunde

Pflanzen in der Wohnung oder im Garten können für Hunde mitunter zur lebensbedrohlichen Gefahr werden. Insbesondere Welpen sind gefährdet, da sie dazu neigen, alles in ihrer Umgebung zu erkunden und anzuknabbern. In diesem Blogartikel haben wir Wichtiges zum Thema Giftpflanzen für Hunde, dem Erkennen von Vergiftungen und Erste-Hilfe-Maßnahmen für Dich zusammengefasst. weiterlesen »
Abkühlung bei Hitze für Hunde

Abkühlung bei Hitze für Hunde

Hitze ist eine Qual für Hunde. Sie können nicht so schwitzen wie wir und stoßen bei hohen Temperaturen schnell an ihre Grenzen was die Fähigkeit zur Regulation ihrer Körpertemperatur angeht. Wir haben daher hier einige Tipps zusammengestellt, die dafür sorgen können, dass Dein Hund trotz Hitze gesund und munter durch die heiße Jahreszeit kommt. weiterlesen »
Welche Nahrung braucht mein junger Hund?

Welche Nahrung braucht mein junger Hund?

Gesund und reich an Energie soll die Nahrung für Deinen Welpen sein. Als Basis für die Ernährung dienen dabei vor allem hochwertige Inhaltsstoffe. weiterlesen »
Hundepfoten vor Streusalz schützen

Hundepfoten vor Streusalz schützen

Es gibt kaum etwas Schöneres, als Hunde ausgelassen durch den Schnee toben zu sehen. Doch Eis, Frost und insbesondere Streusalz können den sonst recht widerstandsfähigen Hundepfoten stark zusetzen. Wie Du Hundepfoten vor Streusalz schützen kannst, haben wir in diesem Artikel für Dich zusammengefasst. weiterlesen »

Die mit einem * markierten Felder sind Pflichtfelder.