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Welpe beißt – was tun?

Gerade erst ist der plüschige Familienzuwachs eingezogen und schon sehen Deine Hände und Arme aus, als hättest Du ohne Handschuhe den ganzen Tag Rosen verpflanzt – kommt Dir das bekannt vor? Die spitzen kleinen Welpenzähnchen können ganz schön fies sein und für jede Menge Kratzer und Schrammen sorgen. Sobald die Zähnchen der Kleinen durchbrechen, wird alles angenagt, angeknabbert und als Kauspielzeug zweckentfremdet, was vor die Schnauze kommt. Auch vor menschlichen Gliedmaßen machen die spitzen Welpen-Beißerchen keinen Halt. Doch Vorsicht, was bei einem Mini-Schäferhund noch süß anmuten mag, kann zum echten Problem werden, wenn der ausgewachsene, nun nicht mehr ganz so kleine Schäferhund nie gelernt hat, dass Beißen ein No-Go ist. Welpen müssen lernen, dass sie nicht ihre Zähne einsetzen dürfen, um Dich zum Spielen aufzufordern oder ihren Willen durchzusetzen. Doch wie kannst Du vorgehen, um ihnen dieses Verhalten abzutrainieren?

Die Beißhemmung muss erlernt werden!

Neugeborene Welpen sind nicht nur taub und blind, sondern auch zahnlos – kleine Fellknäul, die auf die Fürsorge ihrer Hundemama angewiesen sind, um zu überleben. Mit jeder Woche, die verstreicht, werden die Kleinen aktiver und fangen an, ihre Umgebung zu erkunden. Wenn dann ab der dritten bis sechsten Lebenswoche die Milchzähne durchbrechen – insgesamt werden es 28 an der Zahl sein, die später durch 42 Zähne des bleibenden Gebisses ersetzt werden –, müssen die neuen und äußerst spitzen Werkzeuge natürlich gleich auf ihre Funktionalität getestet werden: Neben Schuhen, Teppichen und allerlei anderen Gegenständen kommen dabei auch die Geschwistertiere in den fragwürdigen Genuss. Da wird im Spiel kräftig zugebissen oder gedankenverloren an fremden Füßchen genagt. Doch der Bruder oder die Schwester hat ebenfalls Zähne bekommen und schnappt oder beißt zurück. Oder jault laut auf und beendet das Spiel. Auch die Mama wird mit einem sanften, aber konsequenten „Zurückzwicken“ reagieren oder sich entziehen, wenn es ihr zu bunt wird. Dadurch merkt der Spitzzahn: Hoppla, wenn ich beiße, folgt etwas Unangenehmes. Er wird seine Zähne ab diesem Zeitpunkt zunehmend vorsichtiger einsetzen. Dieses als „Beißhemmung“ bezeichnete Phänomen ist für das soziale Miteinander von Hunden unerlässlich, um schwere Verletzungen, auch im Spiel, zu vermeiden.
Ein erwachsener Hund, der ausreichend sozialisiert wurde und in der Interaktion mit Elterntieren und Wurfgeschwistern die Beißhemmung erlernt hat, wird niemals ohne triftigen Grund zubeißen. Er hat gelernt, dass weder im Spiel noch einfach so aus Frust oder Langeweile gebissen wird. Anders als lange angenommen, ist diese Beißhemmung jedoch nicht angeboren, sondern muss erlernt werden. Diese Lernphase erfolgt in den ersten Lebensmonaten des Welpen, in der Phase der Sozialisation. Nicht zuletzt aus diesem Grund ist es auch so wichtig, Welpen nicht zu früh von ihrer Mutter zu trennen. Sie können viel von ihr und den Geschwisterwelpen lernen, was sie im späteren Leben unbedingt beherrschen müssen, um zu einem ausgeglichenen und verträglichen Hund heranzuwachsen, unter anderem eben die Beißhemmung.

Im Zusammensein und Spielen mit anderen Welpen lernen junge Hunde, die Intensität ihrer Bisse zu kontrollieren. 

Dem Welpen das Beißen abgewöhnen – eine anstrengende Aufgabe

Die meisten Welpen werden mit 10 bis 12 Wochen an ihre neuen Besitzer abgegeben, manche sogar bereits im zarten Alter von 8 Wochen. Zu diesem Zeitpunkt stecken sie mitten in der Sozialisationsphase und müssen noch lernen, was sie dürfen und was nicht. Für Dich als Halter:in entsteht dadurch die Aufgabe, die von der Hundemama und den Geschwistern begonnenen Erziehungs- und Sozialisationsmaßnahmen gewissenhaft weiterzuführen. Da Welpen für ihr Leben gerne knabbern und kauen, wirst Du dabei mitunter auf eine harte Probe gestellt, denn sie nehmen dazu generell alles, was ihren Weg kreuzt: Spielzeug, Schuhe, Menschenhände. Jetzt ist es an der Zeit, mit geeigneten Maßnahmen durchzugreifen und Deinem kleinen Fellknäul liebevoll, aber konsequent aufzuzeigen, dass spitze Zähne an empfindlichen Körperstellen nicht gewünscht sind. Wie gehst Du dabei am besten vor?

Abbruchsignal etablieren und Spiel beenden

Wenn Dein Welpe im Spiel zu stark beißt oder knabbert, solltest Du mit einem akustischen Signal, etwa einem lauten „Aua“ oder „Nein“, darauf aufmerksam machen, dass Du dies nicht möchtest. Alternativ kannst Du einen etwas theatralischen Schmerzschrei ausstoßen. Dieser imitiert das Verhalten der Geschwister, die ebenfalls laut quieken, wenn es ihnen zu bunt wird. Passt der Welpe die Intensität seiner Spielbisse nicht an, beende kommentarlos das Spiel und „ignoriere“ ihn für kurze Zeit. Ein bis zwei Minuten sind völlig ausreichend, um Deinem Welpen die negativen Konsequenzen seines Verhaltens aufzuzeigen. Dein Kleiner wird merken, dass Beißen beim Spielen nicht gewünscht ist und darauf eine Strafe folgt (Beenden des Spiels). Da er natürlich weiterspielen möchte, wird er von mal zu mal vorsichtiger sein bzw. das Beißen einstellen.

Alternativen anbieten

Biete ihm Alternativen an, beispielsweise Kauspielzeuge, Seile oder hundetaugliche Kuscheltiere, mit denen ihr euch gemeinsam beschäftigen könnt. Verzichte aber in den ersten Monaten auf wilde Zerrspiele, dadurch können Zahnfehlstellungen entstehen. Außerdem begreift Dein Hund dadurch nicht, wann Beißen erlaubt ist und wann nicht. Besonders im Zahnwechsel braucht Dein Hund die Möglichkeit, ausgiebig zu kauen und zu nagen, denn wechselnde Zähne jucken, weshalb in dieser Zeit vermehrt Gegenstände oder eben auch Hände oder Arme angeknabbert werden, um sich Linderung zu verschaffen. Hierzu eignen sich (weiche) Naturkausnacks wie Kälberblasen oder ein gefüllter Kong. In unseren Kölle Zoo Erlebnismärkten sowie im Onlineshop halten wir eine Vielzahl von Produkten bereit, die den Zahnwechsel unterstützen können.

Insbesondere während des Zahnwechsels schmerzen und jucken die Zähne. Um Linderung zu schaffen, sollten Junghunde geeignetes Kauspielzeug und Naturkausnacks erhalten.

Leichtes „Zurückzwicken“

Hast Du einen besonders hartnäckigen Fall, kannst Du versuchen, Dich wie ein Hund zu verhalten und ein sanftes „Zurückschnappen“ imitieren. Ein kleiner Zwicker in die Seite ist absolut ausreichend. Dies soll nicht als Bestrafung dienen, sondern als Signal, dass er es übertrieben hat. Es versteht sich von selbst, dass Hunde niemals geschlagen oder anderweitig körperlich bestraft werden dürfen. Bei dieser Maßnahme ist viel Vorsicht und Feingefühl an den Tag zu legen, um das Vertrauen nicht zu schädigen.

Konsequent sein

Wichtig ist vor allem eines: Konsequenz. Von dem oben beschriebenen Training darf es keine Ausnahmen geben. Jedes Mal, wenn der Welpe zwickt oder beißt, muss eine entsprechende Reaktion folgen. Nur so lernt er, was er darf und was nicht. Sei dabei geduldig mit Deinem Vierbeiner, aber bleibe am Ball. Außerdem sollten natürlich alle Familienmitglieder an einem Strang ziehen. Sei in dieser Phase auch vorsichtig in Bezug auf das Zusammensein von Hunden und Kindern im Haushalt, um Verletzungen im Spiel zu vermeiden. Spätestens, wenn der Zahnwechsel erfolgt, also etwa zwischen dem vierten und siebten Lebensmonat, sollte Dein Welpe seine Beißerchen im Griff haben. Wenn Du alleine nicht den gewünschten Erfolg erzielst, ist es sinnvoll, einen Hundetrainer zu Rate zu ziehen.

Wichtig: Die Beißhemmung gegenüber Menschen lernt der Hund durch Dich und Deine Reaktionen auf zu wildes Spielen. Um auch gegenüber anderen Hunden angemessen zu agieren, ist der Besuch einer Welpenstunde sinnvoll. Außerdem sollten junge Hunde so oft wie möglich die Gelegenheit haben, mit anderen Hunden verschiedenen Alters in Kontakt zu kommen, um die „Benimmregeln“ zu erlernen.

Dein Welpe beißt in die Leine?

Neben dem Beißen in Hände und Füße kommt es auch häufig vor, dass Welpen in die Leine beißen, gerne auch mal während des Spaziergans. Dies tun sie meist, weil sie der Ansicht sind, dass dieses Accessoire ein ganz ausgezeichnetes Spielzeug ist, insbesondere, weil es am anderen Ende festgehalten wird. Es macht ihnen also schlichtweg Spaß. Dieses Verhalten kostet Nerven und erschwert das Trainieren der Leinenführigkeit. Falls Deine Fellnase bereits ein Abbruchsignal erlernt hat, kannst Du dieses nutzen, ansonsten ist es an der Zeit, ein solches in ruhiger Atmosphäre zu Hause einzuführen. Hört er auf ein scharfes „Aus“ oder „Nein“ auf, solltest Du ihn mit einem Leckerli belohnen und loben. Ist er sehr hartnäckig, kannst Du die Leine einfach wortlos fallenlassen (zur Sicherheit mit dem Fuß daraufstellen, um zu verhindern, dass der Hund weglaufen kann). Verliert Dein Vierbeiner daraufhin das Interesse, geht der Spaziergang weiter. Auch Ablenken funktioniert in der Regel gut, etwa mit einem Richtungswechsel. Ein weiterer Grund für das Leine-Beißen kann Langeweile sein. Versuche in diesem Fall, die Gassirunden spannender zu gestalten und zum Beispiel mit Schnüffel- und Suchspielen zu verbinden. Doch Achtung, auch Überforderung kann dazu führen, dass Dein Vierbeiner in die Leine beißt. In diesem Fall handelt es sich um eine Übersprungshandlung, wenn beispielsweise eine Übung, die ihr gerade durchführt, zu schwierig für ihn ist. Es sollte also zunächst ermittelt werden, was der Grund ist, bevor ein entsprechendes Training Abhilfe schaffen kann. In jedem Fall sollte das In-die-Leine-Beißen bereits im Welpenalter konsequent unterbunden werden, um spätere Probleme zu vermeiden.

Fazit

Als Beißhemmung wird die Fähigkeit von Hunden bezeichnet, die Intensität ihrer Bisse zu beherrschen und ihre Zähne nicht aus Langeweile, Frust oder Spielaufforderung einzusetzen. Doch diese Beißhemmung ist nicht angeboren, sondern muss in den ersten Lebensmonaten erlernt werden. Den Grundstein legen die Hundemama und die Wurfgeschwister, indem sie auf entsprechende Verhaltensweisen negative Konsequenzen folgen lassen, etwa den Abbruch des Spiels. Diese Lernphase muss von Welpenbesitzern weitergeführt werden, um den kleinen Fellknäulen beizubringen, dass Bisse in Hände, Füße oder Hosenbeine nicht gewünscht sind. Dieses Training kann zu Beginn etwas anstrengend sein, doch Hunde lernen schnell, und bald schon wird Dein Kleiner vorsichtiger mit Dir umgehen und einen wichtigen Schritt in seiner Sozialisation gemeistert haben.

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