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Vergesellschaftung von Kleinsäugern – Vorgehensweise und Fehlerquellen

Gesellig lebende Tierarten sollten niemals allein gehalten werden. Daher haben wir hier einige wichtige Tipps zusammengefasst, die dazu beitragen können, dass die Vergesellschaftung erfolgreich verläuft und erklären, welche Fehler Du auf jeden Fall vermeiden solltest.


Was kann eine erfolgreiche Vergesellschaftung verhindern?

Auch wenn die meisten Rahmenbedingungen stimmen, gibt es einige Stolpersteine, die ein dauerhaftes und friedliches Zusammenleben zwischen Kleinsäugern verhindern.
Ungünstige Geschlechterkombination
Ein sehr häufiger Fehler ist ein ungünstiges Geschlechterverhältnis in Gruppen. Liegt ein Überschuss an männlichen Tieren in der Gruppe vor und es sind gleichzeitig weibliche Tiere vorhanden, führt dies in den meisten Fällen mindestens zu Reibereien, wenn nicht sogar zu erbitterten Kämpfen.
Aber auch wenn die Tiere zu zweit gehalten werden, kann die gewählte Geschlechterkombination Probleme bereiten.

Wichtig: Auch bei kastrierten Tieren sind Verträglichkeitsprobleme und Kämpfe auf Grund ungünstiger Geschlechterkombinationen möglich!

In unseren Steckbriefen zu den verschiedenen Kleinsäugerarten (Kaninchen, Meerschweinchen, Degu, Chinchilla, Farbmaus, Farbratte, Mongolische Wüstenrennmaus, Persische RennmausSinai Stachelmaus und Steppenlemming) findest Du die jeweils empfohlenen Geschlechterkombinationen für eine Vergesellschaftung.

Schlechter Start

Unglückliche Vorkommnisse beim ersten Aufeinandertreffen können eine erfolgreiche Vergesellschaftung verhindern oder die Zeitspanne, bis die Tiere miteinander harmonieren erheblich verlängern. Daher ist eine optimale Vorbereitung der Vergesellschaftung unerlässlich.

Ressourcenknappheit

Wenn den Tieren etwas fehlt, sei es Futter, Wasser, Rückzugs- oder ausreichende Bewegungsmöglichkeiten und Platz, erhöht sich die Gefahr von Streitereien. Dies gilt natürlich nicht nur für Tiere, die frisch vergesellschaftet wurden, sondern auch für schon länger bestehende Wohngemeinschaften. Achte daher darauf, dass immer alles in ausreichender Menge vorhanden ist. Besonders bei den Rückzugsmöglichkeiten empfiehlt es sich, immer mindestens eine mehr anzubieten als Tiere vorhanden sind.

Territoriale Tierarten

Territoriale Tierarten wie Kaninchen und vor allem Mongolische Wüstenrennmäuse neigen dazu, bei erhöhtem Platzangebot Reviere zu besetzen und diese zu verteidigen. Eine Vergrößerung des Platzangebots sollte hier nur unter genauer Beobachtung erfolgen, um bei auftretenden Problemen sofort eingreifen zu können.

Alter und Krankheit

Werden ältere Tiere oder kranke Tiere mit z. B. chronischen Beschwerden, die Schmerzen verursachen, mit sehr agilen Jungtieren vergesellschaftet, kommt es meist zu Abwehrreaktionen von Seiten des älteren bzw. kranken Tieres. Der Neuankömmling wird hier oft als Störfaktor angesehen, vor allem, wenn er das ältere Tier stark bedrängt und ihm dabei noch zusätzliche Schmerzen verursacht.

Keine Sympathie

Auch bei Tieren gibt es Sympathie und Antipathie. Es kann auch vorkommen, dass zwei Tiere trotz intensiver Bemühungen nicht zueinander finden. In diesen Fällen empfiehlt es sich jeweils andere Partner für die Tiere zu suchen.

Missverständnisse

Auch Missverständnisse zwischen den Tieren können die Vergesellschaftung verhindern. Solche Missverständnisse können z. B. auf Grund von Verhaltensweisen, die ein Tier an den Tag legt (z. B. übertriebenes Abwehrverhalten auf Grund schlechter Erfahrungen in der Vergangenheit) oder mangelnder Sozialisierung entstehen.

Artübergreifende Vergesellschaftung

Früher war es üblich Kaninchen und Meerschweinchen gemeinsam zu halten. Meist wurde ein einzelnes Kaninchen mit einem Meerschweinchen zusammengesetzt. Keines der Tiere hatte durch diese Haltungsform einen Artgenossen und somit keinen vollwertigen Sozialpartner, denn die beiden Tierarten unterscheiden sich u. a. stark in ihrer Kommunikation. Während Meerschweinchen viel verbal kommunizieren, setzen Kaninchen eher auf non-verbale Kommunikation. Von Kaninchen sind meist nur Lautäußerungen zu hören, wenn sie starke Schmerzen oder Todesangst haben. Das Zusammenleben mit einem Meerschweinchen verursacht daher meist erheblichen Stress beim Kaninchen. Sollte es zu Abwehrreaktionen des Kaninchens dem Meerschweinchen gegenüber kommen, so ist das Meerschweinchen meist körperlich deutlich unterlegen und kann schwere Verletzungen davontragen. Von solchen artübergreifenden Vergesellschaftungen ist daher dringend abzuraten.

 

Von einfach und zügig bis kompliziert und langwierig

Zwischen den einzelnen Tierarten gibt es erhebliche Unterschiede bezüglich des Schwierigkeitsgrades der Vergesellschaftung.
Während Meerschweinchen, Farbratten und Farbmäuse meist relativ problemlos und zügig zu vergesellschaften sind, dauert es bei Kaninchen, Degus und Chinchillas oft etwas länger, bis sich die Tiere aneinander gewöhnt haben.
Die Vergesellschaftung von Mongolischen Wüstenrennmäusen stellt die Königsklasse dar. Nicht umsonst bedeutet der lateinische Name der Tierart übersetzt so viel wie „Krieger mit Krallen“.

Am besten vor der Geschlechtsreife kennenlernen

Für eine erfolgreiche Vergesellschaftung ist es optimal, wenn die Tiere sich vor Erreichen der Geschlechtsreife kennenlernen. Je älter die Tiere werden und je gefestigter bestimmte Verhaltensweisen sind, desto schwieriger wird die Vergesellschaftung. Aber auch hier gibt es deutliche Unterschiede zwischen den einzelnen Kleinsäugerarten. Während ältere Meerschweinchen meist unproblematisch zu vergesellschaften sind, bedarf es beim aneinander gewöhnen Mongolischer Wüstenrennmäusen besonderen Geschicks.

Auf neutralem Boden kennenlernen

Damit keines der Tiere „Gebietsansprüche“ erhebt und sein angestammtes Revier verteidigt, sollten sich Deine Tiere immer auf neutralem Boden kennenlernen. Neutraler Boden bedeutet ein Gebiet bzw. ein Gehege, in dem keines der Tiere vorher schon einmal war. Das ist vor allem bei territorialen Tierarten wie Kaninchen und Mongolischen Wüstenrennmäusen sehr wichtig, da diese sehr schnell Reviere besetzen und diese dann auch energisch verteidigen.

Kennenlernen mit Trenngitter

Besonders bei älteren Tieren und Tierarten, die als schwerer zu vergesellschaften gelten (z. B. Mongolische Wüstenrennmnäuse) hat er sich bewährt, das Gehege mittels eines Trenngitters in der Mitte zu unterteilen, damit sich die Tiere erstmal durch das Gitter beschnüffeln können. Wichtig ist dabei, täglich (bei sehr territorialen Tieren auch mehrfach täglich) die Gehegeseiten zu wechseln, damit es zu einer „Geruchtsvermischung“ auf beiden Gegeseiten kommt und auch kein Tier beginnt Revieransprüche zu erheben. Je nach Tierart und Verhalten, kann es nötig sein, das Trenngitter über mehrere Wochen in dem Gehege zu belassen.

Mehrere Tiere gleichzeitig integrieren

Es kann von Vorteil sein mehrere neue Tiere gleichzeitig zu vergesellschaften, vor allem wenn Du bereits eine bestehende Gruppe mit mehreren Tieren hast. Das hat den Vorteil, dass sich die Tiere, die sich bereits kennen, nicht nur auf einen Neuankömmling konzentrieren, sondern sich der „Stress“ besser verteilt. Außerdem erhöht sich die Wahrscheinlichkeit, dass neue Tiere schneller Anschluss an andere finden.

Geruchsangleich

Kleinsäuger erkennen sich unter anderem am „Gruppengeruch“. Ein Tier, das anders riecht, trifft in den meisten Fällen erst einmal auf Ablehnung. Jungtiere und auch früh kastrierte Tiere lassen sich daher meist leichter vergesellschaften, da sie noch keinen starken Eigengeruch haben bzw. kein starker geschlechtsspezifischer Geruch von ihnen ausgeht.
Um den Eigengeruch der Tiere zu überdecken, wird oft empfohlen die Tiere mit z. B. gebrauchter Einstreu einzureiben, zu waschen oder mit duftenden Flüssigkeiten zu besprühen. Diese Vorgehensweise ist allerdings sehr umstritten, da sie großen Stress für die Tiere bedeutet und je nach gewählter Flüssigkeit auch zu gesundheitlichen Schäden führen kann. Eine gesundheitlich unbedenkliche Möglichkeit (vom entstehenden Stress abgesehen) ist die Befeuchtung der Tiere mit Wasser.

Weniger Platz und kein Zubehör

Um die Tiere aneinander zu gewöhnen, empfiehlt sich ggf. anstelle des dauerhaften Kleinsäugerheims ein kleiner Vergesellschaftungskäfig. Dies mag zunächst verwundern, da man den Tieren natürlich trotzdem Bewegungsspielraum bieten möchte und auch die Chance sich aus dem Weg zu gehen. Ist zu viel Platz vorhanden, kann es aber passieren, dass die Tiere eine Begegnung vermeiden. Dies kann vor allem bei eher scheuen, zurückhaltenden Tieren der Fall sein. Wenn die Tiere nicht aufeinander treffen und dementsprechend weder Rangordnung noch eventuelle Revieransprüche klären, zieht sich die Vergesellschaftung in die Länge.
Daher sollten weder mehrere Versteckmöglichkeiten vorhanden sein, in denen sich die Tiere „verschanzen“ können, noch sollte über Futter- und Wassernapf hinausgehendes Zubehör in dem Gehege sein. Besonders revierbildende Tierarten neigen nämlich dazu Besitzansprüche auf Zubehör wie Sandbad, Toilettenschalen oder Laufräder im Gehege zu erheben und diese dann zu verteidigen.

Stress schweißt zusammen

Durchleben Tiere gemeinsam eine aufregende Situation, orientieren sie sich dabei meist aneinander, was ein Zusammengehörigkeitsgefühl entstehen lässt. Deshalb wird oft auch eine „Stressvergesellschaftung“ empfohlen. Aber auch diese Methode ist sehr umstritten. Sie kann in unterschiedlich starker Ausprägung durchgeführt werden. Staubsaugen während des Kennenlernens der Tiere im selben Raum kann z. B einen solchen Effekt haben aber auch eine gemeinsame Autofahrt in einer Transportbox nachdem (!) sich die Tiere zuvor auf neutralem Boden schon etwas kennenlernen durften.

Optimale Vorbereitung

Eine optimale Vorbereitung ist das A und O, wenn die Vergesellschaftung erfolgreich verlaufen soll. Bereite daher alles so vor, dass Du die Tiere bei ihrer Ankunft nur noch in den Vergesellschaftungsbereich setzen musst und das am besten gleichzeitig.


Wann ist die Vergesellschaftung abgeschlossen?

Sobald die Tiere friedlich zusammenleben, keine Rangordnungskämpfe mehr an der Tagesordung sind, sie gemeinsam Schlafhäuschen aufsuchen und gegenseitige Körperpflege betreiben, kann die Vergesellschaftung als abgeschlossen und erfolgreich angesehen werden.

 

Und danach?

Auch wenn Deine Tiere sich vertragen, heißt das nicht, dass das immer so bleibt. Beobachte die Harmonie in der Gruppe täglich, damit Du bei Kämpfen und Unverträglichkeiten rechtzeitig eingreifen kannst. Die Tiere das Kennenlernen „unter sich“ ausmachen zu lassen kann je nach Tierart nämlich schwerwiegende Folgen haben. Während sich Meerschweinchen (normalerweise) nicht auf Gedeih und Verderb bekämpfen, kann ein ernsthafter Kampf bei Mongolischen Rennmäusen mit sehr schweren Verletzungen oder sogar dem Tod eines Kontrahenten enden.

Wichtig: Auch der Tod eines Tieres kann dazu führen, dass sich Tiere aus einer zuvor friedlich zusammenlebenden Gruppe plötzlich um Rangordnung und Revier streiten.


Immer gemeinsam auf Tour

Sollte z. B. ein Tierarztbesuch anstehen, dann solltest Du nach Möglichkeit immer alle Tiere mitnehmen. Bei manchen Kleinsäugerarten (z. B. bei Mongolischen Wüstenrennmäusen) kann schon die Abwesenheit eines Tieres für nur wenige Stunden ausreichen, um erbitterte Rangordnungs- bzw. Revierkämpfe entstehen zu lassen.

 

Fazit: Bei der Vergesellschaftung von Kleinsäugern ist einiges zu beachten, doch wenn Du die obigen Tipps berücksichtigst und die typischen Fehler vermeidest, sollte einer erfolgreichen Vergesellschaftung Deiner Tiere (fast) nichts mehr im Weg stehen!

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