Prachtrosella Steckbrief

Der Prachtrosella (Platycercus eximius) ist eine Papageienart, die aufgrund ihres wunderschönen Gefieders zahlreiche Liebhaber gefunden hat. Doch Prachtrosellas stellen eine ganze Reihe an Anforderungen an ihr zukünftiges Zuhause. Wir haben das Wichtigste über die Plattschweifsittiche für Dich zusammengetragen.

Aussehen

Der Prachtrosella wird etwa 30 cm groß und erreicht ein Gewicht von 90–120 g. Er zeichnet sich insbesondere durch sein farbenfrohes Federkleid aus, das aus blauen, weißen, roten, grünen, violetten und schwarzen Farbanteilen besteht. Charakteristisch ist die Rotfärbung von Kopf, Kehle und Oberbauch, von der sich die weißen Wangenflecken deutlich absetzen. Die Weibchen unterscheiden sich durch einen kleineren Anteil an roten Farbpartien, welche zudem blasser sind als bei den Männchen.

Ursprüngliche Verbreitung & Lebensweise

Das Verbreitungsgebiet des Prachtrosellas erstreckt sich über das südöstliche Australien, von Neusüdwales über Victoria bis hinüber in den Norden von Tasmanien. In ihrer Heimat bewohnen sie bevorzugt die baumbestandene Savanne, lichtes Waldgebiet, ja sogar Parks und Gärten. Die ersten Rosellasittiche kamen um 1860 nach Spanien. Dank ihres ansprechenden Aussehens wurden sie schon bald zu den beliebtesten Großsittichen in ganz Europa.

Prachtrosellas leben in kleinen Gruppen, die man in der Natur am späten Nachmittag auf dem Erdboden beobachten kann, wie sie dort ihre Nahrung suchen, die aus Samen, Kräutern, Früchten, Beeren und Gräsern besteht. Wie die meisten Papageienarten sind auch Prachtrosellas Höhlenbrüter. Das Gelege besteht meist aus vier bis neun Eiern, nach etwa 19 Tagen schlüpfen die Jungen. Wenn sie etwa fünf Wochen alt sind, fliegen sie aus, bleiben aber noch mehrere Wochen bei ihren Eltern. In menschlicher Obhut können Prachtrosellas bis zu 30 Jahre alt werden.

Tiergerechte Haltung

Unterbringung

Um nicht zu verkümmern, benötigen Prachtrosellas unbedingt einen Artgenossen. Da die Tiere Artgenossen gegenüber sehr aggressiv werden können und ihr Revier verteidigen, empfiehlt sich die Haltung eines gegengeschlechtlichen Paares (Hahn und Henne). Zwar leben die Tiere in freier Wildbahn in Gruppen, da sie sich jedoch in menschlicher Obhut nicht ausreichend aus dem Weg gehen können, ist von der Gruppenhaltung abzuraten. Eine Einzelhaltung ist aus Tierschutzgründen abzulehnen.

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Wichtig: Prachtrosellas werden Menschen gegenüber nur sehr selten richtig zahm. Sie können sich zwar insoweit an Dich gewöhnen, dass sie keine Angst haben und „freundlich“ sind, sich vielleicht auch anfassen lassen, aber anders als zum Beispiel Nymphensittiche haben sie meist kein großes Interesse an Menschen. Wer sich also Papageien wünscht, die enge Beziehungen mit Menschen eingehen, wird mit anderen Arten sicherlich glücklicher sein.

Prachtrosellas sind schnelle und ausdauernde Flieger. Daher ist die Haltung in einem „Vogelzimmer“ mit Schlafkäfig zu empfehlen. So haben sie ganztägig die Möglichkeit, zu fliegen, und können sich bei Bedarf zurückziehen. Der Käfig dient also nur zur Fütterung und als Schlafplatz. Ist diese Haltungsform nicht möglich, benötigen sie eine Voliere mit Mindestmaßen von 200 x 100 x 100 ( L x B x H; gemäß Informationsblatt nach § 21 TierSchG). Diese Maße dürfen nicht unterschritten werden. Die Tierärztliche Vereinigung für Tierschutz (TVT) empfiehlt bei Volierenhaltung eine Grundfläche von mindestens 400 x 100 cm bei einer Höhe von mindestens 200 cm.
Voraussetzung für die Volierenhaltung ist täglicher, mehrstündiger Freiflug. Wenn Freiflug nicht gewährt werden kann, so muss laut TVT ein freier Flugraum von mindestens 10 m3 dauerhaft zur Verfügung stehen und die Voliere eine Grundfläche von mindestens 5 m2 besitzen.

Beim Freiflug sollte darauf geachtet werden, dass sie sich nicht verletzen oder vergiften können (Vorsicht vor Elektrokabeln, Spiegeln, Ventilatoren, giftigen Zimmerpflanzen usw.). Die Gitter des Käfigs sollten nicht verzinkt oder mit Kunststoff überzogen sein und müssen quer verlaufen, um den Tieren das Klettern zu ermöglichen. Eine ganzjährige Außenhaltung ist möglich, wenn den Tieren ein frostfreier Schutzraum zur Verfügung gestellt wird.

Die ideale Temperatur für die Tiere liegt bei 18 bis 25 Grad. Bei einer Luftfeuchtigkeit von 60 % fühlen sie sich am wohlsten. Nässe, direkte Sonneneinstrahlung und Zugluft sollten vermieden werden. Für ihr Sehvermögen und bestimmte Stoffwechselvorgänge benötigen in Innenräumen gehaltene Prachtrosellas eine UV-Lampe mit UVA- und UVB-Anteilen, da die Fensterscheiben den Großteil des natürlichen UV-Lichts „aussperren“. Falls Du Leuchtstoffröhren für die Beleuchtung verwendest, solltest Du ein Vorschaltgerät anbringen, um Flackern zu vermeiden. Prachtrosellas können das hochfrequente Flackern im Gegensatz zu Menschen wahrnehmen, was sehr irritierend und unangenehm für sie ist. Dasselbe gilt für Fernsehgeräte und Computer. Prachtrosellas brauchen 10-14 Stunden Helligkeit pro Tag. Abends sollte für eine entsprechende Abdunkelung gesorgt werden, damit sie zur Ruhe kommen. Eine schwache Lichtquelle kann in gänzlich dunklen Räumen zur Orientierung verbleiben.

Im Schlafkäfig oder in der Voliere kannst Du Buchenholzspäne oder Hanfeinstreu als Bodenuntergrund verwenden. Als Gefäße für Wasser und Futter eignen sich ausreichend dimensionierte Edelstahl- oder Keramiknäpfe. Die Vögel brauchen mehrere Sitz- und Landemöglichkeiten. Ideal geeignet sind Naturäste unterschiedlicher Durchmesser, die nur auf einer Seite befestigt sind, sodass sie beim Landen leicht federn und die Gelenke entlasten. Ein Badehaus sollte den Tieren durchgängig zur Verfügung stehen.

Beschäftigung

Neben dem Freiflug, der ihnen die Möglichkeit bietet, ihre Flugkünste auszuleben, sollten Prachtrosellas vielseitig beschäftigt werden. Hier einige Anregungen:

  • Verschiedene Naturäste, gerne noch mit Blüten und Blättern, befriedigen den Nagetrieb. Geeignet sind zum Beispiel ungespritzte Obstbäume, Weide oder Haselnuss.

  • Stelle ihnen regelmäßig unterschiedliche Materialien zur Verfügung, beispielsweise Pappröhren, Korkstücke, Heu oder Stroh, mit denen sie sich beschäftigen können.

  • Obststücke, Gemüse oder Leckerli kannst Du an verschiedenen Stellen im Zimmer oder in der Voliere anbringen oder verstecken. So können sie ihrem natürlichen Futtersuch-Instinkt nachgehen. Auch Kolbenhirse und anderes „Erlebnisfutter“ ist begehrt bei den klugen Vögeln.

  • Peppe das Vogelzimmer oder die Voliere mit vielseitigen Einrichtungsgegenständen auf, beispielsweise Leitern, Schaukeln, dicken Seilen, Brettern zum Landen etc.

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Wichtig: Tierschutzwidriges Zubehör wie Flugeschirre mit Leine, Spiegel, kleine Plastikspielsachen etc. solltest Du unbedingt vermeiden, um Deine Tiere nicht der Gefahr auszusetzen, sich zu verletzen oder Verhaltensauffälligkeiten zu entwickeln.

Ernährung

Um Deine Vögel mit allem zu versorgen, was sie benötigen, um fit und agil zu bleiben, solltest Du ihnen eine Mischung aus einer hochwertigen Großsittich-Körnermischung und Frischfutter bereitstellen. (Wild-)Kräuter, Grünfutter, Obst und Gemüse werden von den Sittichen gerne gefressen und sorgen für eine ausreichende Versorgung mit Nährstoffen. Genanntes Erlebnisfutter wie Kolbenhirse, Darikolben oder Futterpflanzen wie Callisia peppen den Speiseplan auf. Hin und wieder kannst Du ihnen mit Keimfutter eine besondere Freude machen. Während der Mauser besteht erhöhter Proteinbedarf, den Du zum Beispiel mit Eifutter decken kannst, um den Gefiederwechsel zu erleichtern. Zur Verdauung des Körnerfutters müssen die Vögel immer Zugang zu Grit haben. Auch frisches Trinkwasser muss dauerhaft bereitstehen. Eine Sepiaschale und ein Kalkstein versorgen Deine Lieblinge mit Mineralstoffen.

Gesundheit

Eine ausgewogene Ernährung, viel Bewegung (Freiflug), Gesellschaft durch einen Artgenossen, Beschäftigung und Zuwendung durch den Menschen sind die Grundvoraussetzungen für Gesundheit und ein langes Leben. Behalte Deine Tiere immer gut im Blick und gehe bei Auffälligkeiten zu einem vogelkundigen Tierarzt. In diesem Blogbeitrag haben wir Krankheitsanzeichen bei Vögeln für Dich zusammengetragen. Viele Krankheiten lassen sich auf einseitige, ungesunde Fütterung und/oder Haltungsfehler zurückführen. Bewegungsmangel und falsche Ernährung können Verfettung und Stoffwechselstörungen zur Folge haben. Geschwüre an den Füßen werden meist durch falsche Sitzstangen verursacht, zum Beispiel durch Stangen mit dem immer gleichen Durchmesser oder mit Sandpapier- oder Kunststoffüberzug. Besonders fatal wirkt sich eine Einzelhaltung auf die Tiere aus: Sie können aggressiv werden und verschiedenartige Verhaltensstörungen bis hin zu selbstverletzendem Verhalten (Federrupfen etc.) entwickeln.

Für wen eignen sich Prachtrosellas?

Prachtrosellas eignen sich vor allem für Menschen, die genug Zeit und Platz haben, um die Bedürfnisse der Tiere zu erfüllen. Prachtrosellas brauchen viel – am besten ganztägigen – Freiflug. Außerdem müssen sie jeden Tag beschäftigt werden, da die klugen Vögel sonst verkümmern. Nicht zu unterschätzen ist die Lautstärke der Sittiche. Sie sind sehr „gesprächig“ und haben ein großes Repertoire unterschiedlicher Lautäußerungen. Insbesondere können sie sehr laut und schrill rufen. Das sollte man auch bedenken, wenn man hellhörige Nachbarn hat. Zudem sollte man sich bewusst sein, dass Prachtrosellas nur in seltenen Fällen so zahm werden wie andere Sitticharten. Wer sich dieser Tatsachen bewusst ist und die Bedürfnisse der Tiere erfüllen kann, der wird sich viele Jahre lang an den wunderschönen und faszinierenden Papageien erfreuen können.

Fazit

Prachtrosellas sind wunderschöne, farbenprächtige Papageien aus der Familie der Plattschwanzsittiche. Die klugen und aktiven Tiere sollten paarweise gehalten werden und benötigen viel Platz, um ihre Flugkünste unter Beweis zu stellen. Sie haben eine Lebenserwartung von bis zu 30 Jahren – eine lange Zeit, um ihre Besitzer zu begeistern und jeden Tag aufs Neue zu erfreuen.

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