Die richtige Ernährung ist von zentraler Bedeutung für die Gesundheit und das Wohlbefinden von Hunden. Allerdings ist nicht jeder Hund gleich, und die Ernährungsbedürfnisse können sich unterscheiden: Während gesunde Vierbeiner mit einer ausgewogenen „Standardnahrung“ – angepasst an Alter, Aktivität und individuelle Bedürfnisse – gut versorgt werden können, benötigen Hunde mit bestimmten Krankheiten häufig eine speziell abgestimmte Ernährung. Erkrankungen der Niere oder des Harntrakts, Diabetes, Magen-Darm-Beschwerden oder starkes Übergewicht erfordern oft Futter, das gezielt auf diese gesundheitlichen Herausforderungen ausgerichtet ist.
Hier kommt medizinisches Diätfutter ins Spiel. Diese Futtermittel können dazu beitragen, Organe zu entlasten, Beschwerden zu lindern, den Krankheitsverlauf positiv zu beeinflussen und die Lebensqualität des Hundes zu verbessern.
In diesem Artikel erhältst Du einen Überblick über medizinisches Diätfutter, seine Einsatzbereiche sowie die wichtigsten Unterschiede zwischen den einzelnen Diätformen.
Medizinisches Diätfutter: Was ist das eigentlich?
Medizinisches Diätfutter (auch veterinärmedizinisches Diätfuttermittel oder umgangssprachlich „Vet-Futter“) ist kein einheitliches Produkt, sondern ein Sammelbegriff für speziell entwickelte Futtermittel, die zur ernährungsphysiologischen Unterstützung bei bestimmten Erkrankungen eingesetzt werden.
Je nach Diagnose sind die Rezepturen darauf ausgelegt, bestimmte Organsysteme zu entlasten oder Stoffwechselprozesse zu unterstützen. Ziel ist es, die Gesundheit des Hundes zu fördern, Beschwerden zu lindern und die Lebensqualität langfristig zu unterstützen.
Herstellung und Kennzeichnung medizinischer Diätfuttermittel unterliegen in der Europäischen Union strengen gesetzlichen Vorgaben. Nur Futtermittel, die für einen besonderen ernährungsphysiologischen Zweck geeignet sind, dürfen als Diätfutter bezeichnet werden. Einsatzgebiet, Fütterungsdauer und Fütterungsempfehlungen müssen klar angegeben sein.
Wichtig: Der Einsatz von Diätfutter sollte immer in enger Abstimmung mit einem Tierarzt oder einer Tierärztin erfolgen. Da diese Futtermittel speziell auf bestimmte Erkrankungen abgestimmt sind, kann eine ungeeignete Anwendung gesundheitliche Probleme verschlimmern oder neue Beschwerden begünstigen. Auswahl, Zusammensetzung und Fütterungsmenge sollten daher stets individuell auf den Hund und seine Diagnose abgestimmt werden.
Außerdem gilt: Medizinisches Diätfutter ersetzt keine tierärztliche Behandlung, sondern dient ausschließlich der unterstützenden Ernährungstherapie.
Überblick über medizinisches Diätfutter: Welches Futter bei welcher Erkrankung?
Im Folgenden findest Du einen Überblick über die wichtigsten Diätfutter-Sorten, ihre Einsatzbereiche, Ziele und typischen Merkmale.
Diätfutter für übergewichtige Hunde
Einsatzbereiche: Übergewicht und Adipositas
Ziele: Schonende und nachhaltige Gewichtsreduktion bei gleichzeitigem Erhalt der Muskelmasse
Typische Merkmale:
- Reduzierter Fett- und Energiegehalt, um die tägliche Kalorienaufnahme zu senken und eine kontrollierte Gewichtsabnahme zu unterstützen
- Erhöhter Ballaststoffanteil für ein langanhaltendes Sättigungsgefühl und zur Unterstützung der Verdauung
- Hochwertige Proteine zum Erhalt der Muskelmasse während der Gewichtsabnahme
- Häufig Zusatz von L-Carnitin zur Unterstützung des Fettstoffwechsels und der Energiegewinnung aus Fettsäuren
Diätfutter für Hunde mit Magen-Darm-Erkrankungen
Einsatzbereiche: Akute oder chronische Magen-Darm-Beschwerden, chronisch-entzündliche Darmerkrankungen (IBD), Durchfall, Erbrechen
Ziele: Entlastung des Verdauungstrakts und Förderung einer stabilen Darmfunktion.
Typische Merkmale:
- Hochverdauliche Protein- und Kohlenhydratquellen zur besseren Verträglichkeit und Entlastung des Verdauungssystems
- Häufig reduzierter Fettgehalt, um zusätzliche Belastung des Magendarmtrakts zu vermeiden
- Ballaststoffe zur Unterstützung der Verdauung und Förderung einer gesunden Darmtätigkeit
- Zusatz von Prä- und Probiotika zur Stabilisierung der Darmflora
- Teilweise angereichert mit Elektrolyten zum Ausgleich von Flüssigkeits- und Mineralstoffverlusten
Diätfutter für Hunde mit Allergien und Futtermittelunverträglichkeiten
Einsatzbereiche: Futtermittelallergien, Futtermittelunverträglichkeiten, Haut- und Fellprobleme
Ziele: Reduktion allergischer Reaktionen und Unterstützung der Hautgesundheit
Typische Merkmale:
- Verwendung ausgewählter Proteinquellen oder hydrolysierter Proteine, die so stark aufgespalten sind, dass das Immunsystem sie nicht mehr als Allergene erkennt
- Begrenzte Anzahl an Zutaten zur Minimierung potenzieller Allergene
- Zusatz von Zink und Biotin zur Unterstützung von Haut, Fell und Hautbarriere
- Spezielle Fettsäuren, insbesondere Omega-3-Fettsäuren, können entzündungshemmend wirken und Hautreizungen lindern
Diätfutter für Hunde mit Nierenerkrankungen
Einsatzbereiche: Chronische Nierenerkrankung (CNE)
Ziele: Entlastung der Nieren und Verlangsamung des Fortschreitens der Erkrankung.
Typische Merkmale:
- Reduzierter Phosphorgehalt zur Schonung der Nierenfunktion und Verringerung weiterer Nierenschäden
- Angepasster Gehalt hochwertiger Proteine, um belastende Stoffwechselprodukte zu reduzieren und gleichzeitig Muskelabbau vorzubeugen
- Zusatz von Omega-3-Fettsäuren zur Unterstützung entzündungshemmender Prozesse in den Nieren
- Antioxidantien zum Schutz vor oxidativen Zellschäden
Diätfutter für Hunde mit Lebererkrankungen
Einsatzbereiche: chronische Hepatitis, Leberfibrose, portosystemische Shunts
Ziele: Entlastung der Leber und Unterstützung der Leberfunktion.
Typische Merkmale:
- Angepasster Protein- und Kupfergehalt zur Entlastung der Leber
- Hochverdauliche Proteine zur Vermeidung von Muskelabbau und zur besseren Verträglichkeit
- Moderater Fettgehalt zur Entlastung des Stoffwechsels
- Zusatz von Antioxidantien wie Vitamin E und Selen zum Schutz der Leberzellen und zur Unterstützung der Regeneration
- Zusatz von L-Carnitin zur Unterstützung des Fettstoffwechsels
Diätfutter für Hunde mit Diabetes mellitus
Einsatzbereiche: Diabetes mellitus
Ziele: Stabilisierung des Blutzuckerspiegels und Unterstützung des Stoffwechsels
Typische Merkmale:
- Langsam verdauliche Kohlenhydrate mit niedrigem glykämischen Index zur gleichmäßigeren Blutzuckerregulation
- Erhöhter Ballaststoffanteil zur Verlangsamung der Zuckeraufnahme aus dem Darm
- Moderat erhöhter Proteingehalt zum Erhalt der Muskelmasse
- Unterstützung eines möglichst konstanten Energiehaushalts
- Teilweise kalorienreduziert, insbesondere bei gleichzeitigem Übergewicht
Diätfutter für Hunde mit Struvitsteinen
Einsatzbereiche: Vorbeugung und unterstützende Behandlung von Struvitsteinen
Ziele: Reduktion der Kristallbildung und Unterstützung der Harnwegsgesundheit
Typische Merkmale:
- Angepasster Gehalt an Magnesium, Phosphor und Kalzium zur Verringerung der Steinbildung
- Ansäuerung des Harns, da sich Struvitsteine bevorzugt in alkalischem Urin bilden
- Erhöhter Feuchtigkeitsgehalt, insbesondere bei Nassfutter, zur Förderung der Flüssigkeitsaufnahme
- Förderung der Urinverdünnung und Harnmenge, um die Konzentration kristallbildender Stoffe zu senken
- Teilweise Zusatz von Stoffen zum Schutz der Blasenschleimhaut
Diätfutter für Hunde mit Kalziumoxalatsteinen
Einsatzbereiche: Vorbeugung von Kalziumoxalatsteinen und Verringerung des Rückfallrisikos
Ziele: Verringerung der Kristallbildung und Unterstützung einer gesunden Harnzusammensetzung
Typische Merkmale:
- Kontrollierter Mineralstoffgehalt, insbesondere von Kalzium, Natrium und Phosphor
- Förderung einer erhöhten Wasseraufnahme zur Verdünnung des Urins
- Vermeidung eines zu sauren Harnmilieus, da dies die Bildung von Kalziumoxalatsteinen begünstigen kann
- Häufig erhöhter Feuchtigkeitsgehalt, insbesondere bei Nassfutter
- Teilweise Zusatz von Kaliumcitrat, das die Kristallbildung hemmen kann
Wichtig: Kalziumoxalatsteine lassen sich im Gegensatz zu (kleinen) Struvitsteinen in der Regel nicht durch Diätfutter auflösen, sondern müssen anderweitig tierärztlich behandelt oder entfernt werden. Die Ernährung dient daher vor allem der Vorbeugung neuer Steine.
Diätfutter für Hunde mit Gelenkerkrankungen
Einsatzbereiche: Arthrose, Gelenkverschleiß, Bewegungseinschränkungen
Ziele: Unterstützung der Gelenkfunktion und Förderung der Beweglichkeit.
Typische Merkmale:
- Zusatz von Glucosamin und Chondroitinsulfat zur Unterstützung des Knorpelstoffwechsels
- Omega-3-Fettsäuren mit entzündungshemmender Wirkung zur Unterstützung der Gelenkgesundheit
- Häufig kalorienreduziert zur Entlastung der Gelenke bei Übergewicht
- Hochwertige Proteine zum Erhalt der Muskulatur und zur Unterstützung der Beweglichkeit
Diätfutter für Hunde mit Herzkrankheiten
Einsatzbereiche: Herzinsuffizienz, Herzerkrankungen mit Flüssigkeitseinlagerungen oder Bluthochdruck
Ziele: Entlastung des Herz-Kreislauf-Systems und Unterstützung der Herzfunktion.
Typische Merkmale:
- Reduzierter Natriumgehalt zur Verringerung von Wassereinlagerungen und Entlastung des Herz-Kreislauf-Systems
- Taurin und L-Carnitin zur Unterstützung der Herzmuskelfunktion und des Energiestoffwechsels
- Hochverdauliche Energiequellen zur besseren Verträglichkeit
- Omega-3-Fettsäuren zur Unterstützung entzündungshemmender Prozesse
Diätfutter für Hunde mit Bauchspeicheldrüsenerkrankungen
Einsatzbereiche: Pankreatitis (Bauchspeicheldrüsenentzündung), exokrine Pankreasinsuffizienz (EPI)
Ziele: Entlastung der Bauchspeicheldrüse und Unterstützung der Verdauung.
Typische Merkmale:
- Stark reduzierter Fettgehalt, insbesondere bei Pankreatitis, um die Bauchspeicheldrüse möglichst wenig zu belasten
- Hochverdauliche Inhaltsstoffe zur besseren Nährstoffaufnahme
- Angepasster Energiegehalt zur Unterstützung des Stoffwechsels
- Bei exokriner Pankreasinsuffizienz teilweise Ergänzung von Verdauungsenzymen notwendig
Diätfutter für Hunde in der Rekonvaleszenz
Einsatzbereiche: Genesungsphase nach Operationen, schweren Erkrankungen oder bei erhöhtem Energiebedarf während der Genesung.
Ziele: Schnelle Energie- und Nährstoffversorgung sowie Unterstützung des Muskelaufbaus und der Regeneration
Typische Merkmale:
- Hoher Energiegehalt zur Deckung des erhöhten Energiebedarfs während der Genesung
- Hochwertige, leicht verdauliche Proteine zur Unterstützung des Muskelaufbaus und der Regeneration
- Besonders schmackhafte Rezepturen zur Förderung der Futteraufnahme
- Hohe Nährstoffdichte, damit bereits kleine Futtermengen ausreichend Energie und Nährstoffe liefern
Fazit
Medizinisches Diätfutter kann bei vielen Erkrankungen eine wichtige unterstützende Rolle spielen und dazu beitragen, Beschwerden zu lindern sowie die Lebensqualität des Hundes zu verbessern. Entscheidend ist jedoch, dass das Futter gezielt auf die jeweilige Erkrankung und die individuellen Bedürfnisse des Hundes abgestimmt wird.
Da sich die Zusammensetzung der verschiedenen Diätfuttermittel teils deutlich unterscheidet, sollte die Auswahl immer gemeinsam mit einer Tierärztin oder einem Tierarzt erfolgen. Nur so kann sichergestellt werden, dass der Hund optimal versorgt wird und die Ernährung die medizinische Behandlung sinnvoll unterstützt.
Bei Kölle Zoo findest Du eine große Auswahl an veterinärmedizinischen Diätfuttermitteln für unterschiedliche gesundheitliche Bedürfnisse Deines Hundes – von Nieren- und Magen-Darm-Diäten bis hin zu Spezialfutter bei Allergien oder Harnsteinen. Unsere Mitarbeitenden beraten Dich gerne bei der Auswahl des passenden Futters und unterstützen Dich dabei, eine geeignete Ernährungslösung für Deinen Vierbeiner zu finden.