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Kaninchen handzahm machen: So gewinnst Du das Vertrauen Deiner Kaninchen
Graues Kaninchen frisst aus Hand

Kaninchen sind neugierige, sensible und sehr aufmerksame Tiere – doch Vertrauen schenken sie nicht einfach so. Es braucht Geduld, Ruhe und ein gutes Gespür für ihre Grenzen, damit aus vorsichtiger Neugier Schritt für Schritt echte Vertrautheit entstehen kann. Manche Kaninchen suchen schon nach kurzer Zeit die Nähe zu ihren Menschen, andere beobachten lieber erst einmal aus sicherer Entfernung. Beides ist normal und zeigt: Jedes Kaninchen hat sein eigenes Tempo.

Entscheidend ist, dass Deine Tiere immer wieder erleben: Dieser Mensch ist berechenbar, bleibt ruhig und respektiert meine Signale. In diesem Artikel erfährst Du, wie Du Deine Kaninchen Schritt für Schritt an Dich gewöhnst, warum Freiwilligkeit dabei so wichtig ist und woran Du erkennst, dass Deine Tiere sich in Deiner Nähe wirklich sicher fühlen.

Kaninchen sind keine Kuscheltiere – und genau das macht sie so besonders

Viele Menschen wünschen sich „zahme“ Kaninchen, die von sich aus Kontakt suchen, aus der Hand fressen, Streicheleinheiten genießen oder auf Zuruf angehoppelt kommen. Dieser Wunsch ist verständlich – und manchmal geht er sogar in Erfüllung. Gleichzeitig ist es jedoch wichtig, Kaninchen nicht mit Hunden oder Katzen zu vergleichen, sondern ihr arttypisches Verhalten zu verstehen und realistische Erwartungen an Nähe und Körperkontakt zu haben.

Kaninchen sind Fluchttiere: Ihr Körper und ihr Verhalten sind darauf ausgelegt, Gefahren frühzeitig zu erkennen, aufmerksam auf Geräusche und Bewegungen zu reagieren und sich bei Unsicherheit blitzschnell zurückzuziehen. Vorsicht, Zurückhaltung und Wachsamkeit gehören also zu ihrem natürlichen Verhalten.

 Das bedeutet jedoch nicht, dass Kaninchen keine enge Beziehung zu ihren Menschen aufbauen können. Im Gegenteil: Viele werden mit Geduld sehr zutraulich, erkennen vertraute Stimmen, kommen zur Fütterung angelaufen und genießen vorsichtiges Streicheln. Doch auch ein zutrauliches Kaninchen bleibt ein Kaninchen: Es braucht die Möglichkeit, Abstand zu nehmen, sich zurückzuziehen und selbst zu entscheiden, wie viel Nähe es zulassen möchte.

Ein Kaninchen handzahm zu machen, bedeutet deshalb nicht, es „gefügig“ zu machen oder es daran zu gewöhnen, Berührungen einfach auszuhalten. Gemeint ist vielmehr, Vertrauen aufzubauen. Dieses entsteht, wenn Dein Kaninchen immer wieder erlebt, dass von Dir keine Gefahr ausgeht, dass Deine Bewegungen berechenbar sind und dass seine Grenzen respektiert werden. So kann es sich in Deiner Nähe entspannen. Und gerade weil Kaninchen Fluchttiere sind, darf jeder kleine Schritt in diese Richtung als großer Erfolg und Vertrauensbeweis gelten.

Die Basis: Ein sicheres Zuhause schafft Vertrauen

Bevor Du aktiv mit dem Vertrauensaufbau beginnst, lohnt sich ein genauer Blick auf die Haltung, denn Kaninchen, die dauerhaft gestresst sind, zu wenig Platz haben oder keine geschützten Rückzugsorte finden, bleiben oft vorsichtig und angespannt. Wer Vertrauen aufbauen möchte, sollte deshalb zuerst dafür sorgen, dass sich die Tiere in ihrem Zuhause sicher fühlen.

Wichtig ist vor allem ein großzügiges Gehege mit ausreichend Bewegungsfläche. Kaninchen möchten rennen, Haken schlagen, sich aufrichten, ruhen, nagen, buddeln und sich jederzeit zurückziehen können. Mehrere Verstecke mit mindestens zwei Ein- und Ausgängen geben Sicherheit, weil sich die Tiere nicht in die Enge gedrängt fühlen. Auch Tunnel, Häuschen, Weidenbrücken, erhöhte Liegeplätze und gut strukturierte Bereiche helfen Deinen Kaninchen, ihr Revier aktiv zu nutzen und sich darin sicher zu bewegen.

Auch der Standort spielt eine wichtige Rolle. Ein sehr lauter oder hektischer Platz kann scheue Tiere zusätzlich verunsichern. Gleichzeitig sollten Kaninchen nicht völlig abgeschirmt leben, wenn sie sich an Alltagsgeräusche und Menschen gewöhnen sollen. Ideal ist daher ein ruhiger, gut strukturierter Bereich, in dem sie am Familienleben teilhaben können, ohne ständig gestört zu werden.

Ebenso wichtig ist die Gesellschaft von Artgenossen. Kaninchen sind soziale Tiere, für die Einzelhaltung nicht infrage kommt. Sie sollten daher mindestens zu zweit oder in einer harmonischen Gruppe gehalten werden. Das Zusammensein mit Artgenossen gibt Sicherheit, Orientierung und Sozialkontakt – und kann dadurch auch dazu beitragen, dass ein Kaninchen insgesamt entspannter und mutiger wird.  

 

Kaninchen sind soziale Tiere – die Anwesenheit von Artgenossen reduziert Stress und fördert ruhiges, natürliches Verhalten.

Wenn Deine Kaninchen neu bei Dir eingezogen sind, gib ihnen zunächst Ruhe und Raum, um anzukommen. Sie müssen ihr neues Zuhause kennenlernen, Gerüche und Geräusche einordnen und herausfinden, wo sie sich sicher zurückziehen können. Beobachte sie in dieser Zeit aufmerksam, aber bedränge sie nicht. Sobald Deine Kaninchen entspannter wirken, zuverlässig fressen und ihre Umgebung neugierig erkunden, kannst Du Schritt für Schritt damit beginnen, ihre Nähe zu suchen – immer in ihrem Tempo.

So gewinnst Du das Vertrauen Deiner Kaninchen

Schritt 1: Sei da, ohne etwas zu verlangen

Der erste Schritt klingt unspektakulär, ist aber oft der wichtigste: Verbringe regelmäßig Zeit in der Nähe Deiner Kaninchen, ohne direkt etwas von ihnen zu erwarten. Gerade am Anfang geht es nicht darum, sie anzufassen oder aktiv zu Dir zu locken, sondern darum, dass sie Deine Anwesenheit als sicher und nicht bedrohlich erleben.

Setz Dich zum Beispiel auf den Boden, lies ein Buch, sortiere Futter oder sprich leise mit Deinen Tieren. Vermeide hektische Bewegungen, plötzliches Zugreifen, laute Geräusche und direkten Blickkontakt aus nächster Nähe. Für ein vorsichtiges Kaninchen kann schon ein Mensch, der ruhig und berechenbar in der Nähe sitzt, eine wichtige neue Erfahrung sein.

Gerade bei scheuen Kaninchen kann es sein, dass sie anfangs im Versteck bleiben. Das ist kein Rückschritt, sie nehmen Dich trotzdem wahr und beobachten, wie Du Dich verhältst. Wenn sie nach einigen Tagen oder Wochen in Deiner Anwesenheit fressen, sich putzen oder entspannt liegen bleiben, ist das bereits ein deutlicher Vertrauensfortschritt.

Tipp: Viele Kaninchen sind nicht den ganzen Tag gleich aktiv. Beobachte deshalb, wann Deine Tiere von selbst neugieriger sind – zum Beispiel morgens, abends oder nach einer Ruhephase. Vertrauensübungen gelingen oft besser, wenn Deine Kaninchen ohnehin wach, aufmerksam und entspannt sind, statt gerade ruhen zu wollen.

 

Verbringe Zeit in der Nähe Deiner Kaninchen, ohne etwas von ihnen zu wollen. Gerade diese ruhige Anwesenheit kann der erste Schritt zu mehr Vertrauen sein. 

Schritt 2: Lass Deine Kaninchen den ersten Kontakt wählen

Kaninchen sind neugierig, wenn sie sich sicher fühlen. Nutze diese Neugier, ohne sie zu überfordern. Halte Dich zunächst zurück, sei einfach anwesend und gib Deinen Tieren die Möglichkeit, sich Dir in ihrem eigenen Tempo zu nähern, ohne sie zu bedrängen.

Wenn ein Kaninchen an Deinem Schuh schnuppert, um Dich herumläuft oder Deine Hand vorsichtig untersucht, solltest Du ruhig bleiben und nicht sofort nach ihm greifen. Viele Menschen machen genau an diesem Punkt den Fehler, den ersten freiwilligen Kontakt direkt zum Streicheln zu nutzen. Für das Kaninchen kann dadurch der Eindruck entstehen: „Wenn ich näherkomme, werde ich festgehalten oder bedrängt.“ Besser ist es, die Annäherung einfach zuzulassen und positiv enden zu lassen. Dein Kaninchen darf schnuppern, schauen, wieder weggehen – und dabei erleben, dass nichts Unangenehmes passiert.

Je häufiger Dein Kaninchen erlebt, dass es Nähe selbst steuern darf, desto eher kann aus vorsichtiger Neugier echtes Vertrauen entstehen.

Tipp: Auch Gerüche und wiederkehrende Abläufe spielen eine Rolle. Wenn Du Dich Deinen Kaninchen immer ähnlich ruhig näherst, mit vertrauter Stimme sprichst und Fütterung oder Reinigung in einer verlässlichen Routine stattfinden, werden Alltagssituationen für Deine Tiere berechenbarer. Genau diese Berechenbarkeit hilft vorsichtigen Kaninchen, Vertrauen aufzubauen.

Schritt 3: Futter als Vertrauensbrücke nutzen

Futter kann beim Vertrauensaufbau sehr hilfreich sein – vorausgesetzt, es wird ruhig und maßvoll eingesetzt. Gut geeignet sind zum Beispiel kleine Mengen frischer Kräuter wie Petersilie, Dill, Basilikum oder Löwenzahn – sofern Deine Kaninchen diese Futtermittel bereits kennen und gut vertragen. Dabei geht es nicht darum, Deine Kaninchen zu bestechen, sondern Deine Anwesenheit positiv zu verknüpfen und ihnen zu zeigen: Wenn dieser Mensch in der Nähe ist, passiert etwas Angenehmes.

Lege zunächst ein kleines Stück Futter in Deine Nähe, ohne Deine Kaninchen aktiv zu locken. Später kannst Du es Stück für Stück näher bei Dir platzieren und irgendwann aus der ruhigen Hand anbieten. Wichtig ist, dass Deine Hand berechenbar bleibt: Sie sollte nicht plötzlich nach vorne schnellen, nicht greifen und dem Kaninchen nicht folgen, wenn es Abstand nimmt.

Wichtig: Verwende nur kleine Mengen geeigneter Belohnungen, etwa frische Kräuter oder gut verträgliche Frischfutterstücke, um mit Deinen Kaninchen zu üben. Zuckerreiche oder stark getreidehaltige Snacks sollten im Sinne der Gesundheit Deiner Fellnasen grundsätzlich vermieden werden.

Schritt 4: Die Hand positiv verknüpfen

Viele Kaninchen reagieren auf Hände besonders sensibel. Das ist verständlich, denn Hände werden im Alltag häufig mit Greifen, Hochheben, Festhalten oder Medikamentengaben verbunden. Deshalb ist es wichtig, dass Deine Kaninchen Deine Hand nicht nur als etwas erleben, das eingreift, sondern auch als etwas Ruhiges und Verlässliches.

Du kannst Deine Hand zunächst einfach flach auf den Boden legen und abwarten. Wenn Dein Kaninchen sie beschnuppert, bleibt sie ruhig. Wenn es wieder weggeht, passiert ebenfalls nichts. Später kannst Du ein kleines Stück Futter auf Deine Hand legen, ohne Dich dabei aktiv nach vorne zu bewegen. So lernt Dein Kaninchen Schritt für Schritt: Diese Hand nimmt mir nicht die Kontrolle, sondern bedeutet etwas Positives.

 Grauweißes Kaninchen frisst Kräuter aus Hand

Futter kann helfen, Vertrauen aufzubauen. Wichtig ist, dass Dein Kaninchen freiwillig näherkommt und nicht bedrängt wird. 

Dieser Schritt ist besonders wichtig, wenn ein Kaninchen bereits schlechte Erfahrungen gemacht hat. Dann kann es länger dauern, bis es sich überhaupt in die Nähe einer Hand traut. Bleib geduldig und wiederhole die Übung nur so lange, wie Dein Kaninchen entspannt bleibt. Vertrauen entsteht nicht durch Wiederholung allein, sondern dadurch, dass es immer wieder gut ausgeht.

Schritt 5: Streicheln nur, wenn Dein Kaninchen es zulässt

Nicht jedes Kaninchen möchte gestreichelt werden. Manche Tiere genießen sanfte Berührungen sehr, andere bleiben lieber bei Futterkontakt oder suchen die Nähe ihrer Menschen, ohne angefasst werden zu wollen. Beides ist völlig in Ordnung.

Wenn Dein Kaninchen entspannt aus der Hand frisst, nicht zurückzuckt und von selbst in Deiner Nähe bleibt, kannst Du vorsichtig ausprobieren, ob es kurze Berührungen zulässt. Viele Kaninchen mögen sanftes Streicheln an der Stirn oder zwischen den Augen. Andere sind dort empfindlich und bevorzugen kurze Berührungen an der Seite. Bauch, Pfoten, Ohren und Hinterteil sind für viele Kaninchen unangenehm und sollten nicht einfach angefasst werden.

Achte dabei genau auf die Körpersprache Deines Tieres. Bleibt Dein Kaninchen ruhig sitzen, wirkt locker oder senkt sogar den Kopf, ist das ein gutes Zeichen. Weicht es zurück, spannt sich an, dreht den Kopf weg, klopft mit den Hinterläufen oder flüchtet, war es ihm zu viel. Nimm die Hand ruhig zurück und gib ihm wieder mehr Abstand. So zeigst Du Deinem Kaninchen, dass seine Signale verstanden und seine Grenzen respektiert werden.

Vertrauen erkennst Du jedoch nicht nur daran, dass sich ein Kaninchen streicheln lässt. Auch wenn es in Deiner Nähe frisst, sich putzt, entspannt liegen bleibt oder neugierig schnuppert, sind das wertvolle Fortschritte. Gerade bei scheuen Kaninchen zählen kleine Schritte.

Darf man Kaninchen hochheben?

Die allermeisten Kaninchen mögen es nicht, hochgehoben zu werden. Das liegt nicht daran, dass sie „stur“ sind, sondern an ihrer natürlichen Veranlagung als Fluchttiere. Vom Boden weggenommen zu werden, bedeutet für sie Kontrollverlust – selbst dann, wenn der Mensch es gut meint. Wenn Du das Vertrauen Deiner Kaninchen gewinnen möchtest und es Dein Ziel ist, dass sie sich bei Dir stets sicher und wohl fühlen, solltest Du es vermeiden, sie ohne Notwendigkeit hochzuheben.

 

Augenhöhe schafft Sicherheit – sie respektiert das natürliche Bedürfnis des Kaninchens nach Kontrolle und Rückzug.

Natürlich gibt es Situationen, in denen ein Kaninchen kurz und sicher aufgenommen werden muss, etwa für einen notwendigen Gesundheitscheck, die medizinische Versorgung oder den Transport. Dann sollte das Handling ruhig, geübt, körpernah und so kurz wie möglich erfolgen.

Sinnvoll ist es, notwendige Handgriffe nicht erst im Ernstfall zu üben. Wenn Dein Kaninchen zum Beispiel für Gesundheitschecks, Fellpflege oder einen kurzen Transport gelegentlich aufgenommen werden muss, kannst Du es behutsam und in kleinen Schritten daran gewöhnen – getrennt vom eigentlichen Vertrauensaufbau. Dazu gehört zum Beispiel, Berührungen langsam aufzubauen, das Anheben nur sehr kurz anzudeuten, Dein Kaninchen schnell wieder sicher abzusetzen und anschließend für Ruhe zu sorgen. So wird das Hochheben für Deine Tiere berechenbarer und weniger beängstigend.

Für den Vertrauensaufbau ist Hochheben jedoch kein geeigneter Weg.

Wichtig: Dass sich Kaninchen beim Hochheben still verhalten und kaum bewegen, wird häufig als Entspannung missverstanden. Tatsächlich kann dieses Verhalten auch Ausdruck von Angst sein – das Tier erstarrt dann regelrecht und versucht, die Situation irgendwie auszuhalten, weil es nicht fliehen kann. Nur weil ein Kaninchen sich nicht wehrt, bedeutet das also nicht automatisch, dass es sich sicher fühlt.

Körpersprache verstehen: So zeigt Dein Kaninchen Vertrauen

Kaninchen kommunizieren viel über Körperhaltung, Bewegung und feine Verhaltenssignale. Wenn Du diese Signale erkennst, kannst Du besser einschätzen, wie sich Dein Tier fühlt – und wann es Nähe zulassen möchte oder Abstand braucht.

Ein entspanntes Kaninchen frisst in Deiner Nähe, putzt sich, erkundet seine Umgebung, legt sich ausgestreckt hin oder bleibt mit lockerer Körperhaltung sitzen, wenn Du Dich ruhig bewegst. Manche Kaninchen stupsen mit der Nase, schnuppern neugierig an Dir oder setzen sich in Deine Nähe, ohne angefasst werden zu wollen. Auch das kann ein Zeichen von Vertrauen sein – besonders dann, wenn Dein Kaninchen jederzeit ausweichen könnte und trotzdem freiwillig bleibt.

Unsicherheit erkennst Du dagegen an einer angespannten Körperhaltung, plötzlichem Erstarren, abruptem Rückzug, Verstecken oder einer deutlich erhöhten Fluchtbereitschaft. Auch Klopfen mit den Hinterläufen kann ein Warn- oder Stresssignal sein. Fühlt sich ein Kaninchen stark bedrängt, kann es auch deutlicher abwehren – etwa indem es nach vorne geht, mit den Vorderpfoten abwehrt, brummende Laute von sich gibt oder im Ernstfall sogar beißt. Das sind sehr deutliche Signale, die zeigen: Dein Tier fühlt sich bedrängt, hat Angst oder weiß sich nicht mehr anders zu helfen. Meist hat ein Kaninchen zuvor bereits feinere Zeichen gezeigt – zum Beispiel Anspannung, Ausweichen, Erstarren, Rückzug oder den Versuch, mehr Abstand zu bekommen. Wenn Du diese frühen Signale ernst nimmst, muss Dein Kaninchen gar nicht erst deutlicher werden.

Gerade bei Abwehrverhalten solltest Du nicht schimpfen, sondern die Situation ruhig einordnen. War Deine Hand im Rückzugsort? Hast Du den Fluchtweg blockiert? War die Bewegung zu schnell? Könnten Schmerzen, Hormone oder Stress eine Rolle spielen? Wenn Du Verhalten als Kommunikation verstehst, kannst Du fairer reagieren – und Deinem Kaninchen zeigen, dass seine Signale verstanden und ernst genommen werden.

Wenn Dein Kaninchen sehr scheu bleibt: Wie lange dauert es, bis Kaninchen zutraulich werden?

Wie schnell Kaninchen Vertrauen fassen, ist sehr unterschiedlich. Manche Tiere werden schon nach wenigen Tagen neugieriger, andere brauchen Wochen oder sogar Monate, bis sie sich in der Nähe von Menschen wirklich sicher fühlen. Entscheidend sind unter anderem Charakter, bisherige Erfahrungen, Haltungsbedingungen und der tägliche Umgang. Besonders Kaninchen aus schlechter Haltung, mit wenig Menschenkontakt oder negativen Erfahrungen können lange vorsichtig bleiben. Das bedeutet nicht, dass Du etwas falsch machst – manchmal braucht Vertrauen einfach mehr Zeit.

Wichtig ist, Fortschritte realistisch zu sehen. Nicht jedes Kaninchen lässt sich gern streicheln, und das muss auch nicht das einzige Ziel sein. Vielleicht kommt Dein Kaninchen entspannt zur Fütterung, frisst in Deiner Anwesenheit, flüchtet nicht mehr sofort oder macht freiwillig ein paar Schritte auf Dich zu. All das sind wertvolle Entwicklungen, auch wenn sie auf den ersten Blick klein wirken.

Gib Deinem Kaninchen die Zeit, die es braucht. Vertrauen lässt sich nicht beschleunigen, aber durch ruhige, positive Erfahrungen zuverlässig fördern. Wenn ein Kaninchen allerdings plötzlich deutlich ängstlicher wird, abwehrend reagiert oder Berührungen vermeidet, obwohl es vorher zutraulicher war, solltest Du gesundheitliche Ursachen bedenken. Schmerzen, Zahnprobleme, Verdauungsbeschwerden oder hormonelle Belastungen können Verhalten verändern. In solchen Fällen ist eine kaninchenerfahrene Tierarztpraxis die richtige Anlaufstelle.

Kaninchen und Kinder

Viele Familien wünschen sich Kaninchen als Haustiere für Kinder. Tatsächlich können Kinder viel Freude an Kaninchen haben – wenn sie lernen, die Tiere aufmerksam zu beobachten und ihre Bedürfnisse zu respektieren. Kaninchen sind jedoch keine Tiere, die gern herumgetragen oder festgehalten werden. Gerade kleinere Kinder brauchen deshalb klare Anleitung und sollten beim Kontakt mit den Tieren immer begleitet werden.

Gute Aufgaben für Kinder sind zum Beispiel Futter vorzubereiten, Kräuter im Gehege zu verstecken, Wasser zu kontrollieren, beim Einrichten des Geheges zu helfen oder ruhig im Auslauf zu sitzen. Streicheln sollte nur stattfinden, wenn das Kaninchen freiwillig in der Nähe bleibt und jederzeit ausweichen kann.

So lernen Kinder nicht nur den Umgang mit einem Haustier, sondern auch Rücksicht, Geduld und genaues Beobachten. Für Kaninchen ist genau das die wichtigste Grundlage für Vertrauen: Sie erleben, dass ihre Grenzen gesehen und respektiert werden.

Häufige Fehler beim Vertrauensaufbau

Viele Fehler passieren aus guter Absicht. Wer seine Kaninchen liebt, möchte ihnen nah sein. Aus Kaninchensicht kann menschliche Nähe jedoch schnell zu viel werden – besonders dann, wenn das Tier nicht ausweichen kann oder die Situation für es unberechenbar wirkt.

Problematisch sind vor allem hektisches Greifen, Verfolgen im Gehege, Hochnehmen ohne Notwendigkeit, Streicheln im Versteck, plötzliche laute Geräusche oder das Blockieren von Fluchtwegen. Auch ständiges „Ausprobieren“, ob sich das Kaninchen heute anfassen lässt, kann Druck aufbauen. Was gut gemeint ist, fühlt sich für das Tier dann schnell wie Bedrängung an.

Besser ist eine ruhige, verlässliche Routine. Füttere regelmäßig, bewege Dich langsam und berechenbar, sprich ruhig mit Deinen Kaninchen und lass sie immer wieder erleben, dass sie Abstand nehmen dürfen. Genau diese Freiwilligkeit macht später echte Nähe möglich. Vertrauen wächst nicht, wenn ein Kaninchen Nähe aushalten muss, sondern wenn es immer wieder erlebt, dass es Nähe selbst mitgestalten darf.

Fazit: Vertrauen wächst in kleinen Schritten

Kaninchen zu zähmen bedeutet nicht, sie zu kontrollieren. Es bedeutet, ihnen Sicherheit zu geben und ihre Grenzen zu respektieren. Der wichtigste Schlüssel ist Freiwilligkeit: Dein Kaninchen darf entscheiden, ob es näherkommt, ob es Kontakt möchte und wann es wieder Abstand braucht.

Mit Geduld, ruhiger Körpersprache, passenden Rückzugsorten, tiergerechter Beschäftigung und positiven Alltagserfahrungen kannst Du eine stabile Beziehung zu Deinen Kaninchen aufbauen. Manche Tiere werden sehr zutraulich, andere bleiben vorsichtiger – beides ist in Ordnung. Entscheidend ist nicht, wie schnell Dein Kaninchen Nähe zulässt, sondern dass es sich dabei sicher fühlt.

Das schönste Zeichen von Vertrauen ist deshalb nicht, dass ein Kaninchen sich festhalten lässt. Das schönste Zeichen ist, wenn es freiwillig bleibt. Und gerade bei einem Fluchttier ist das etwas ganz Besonderes: Wenn Dein Kaninchen freiwillig bleibt, zeigt es Dir auf seine Weise, dass es Dir vertraut.


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